(Fortsetzung)
Ethnokultur-
ein Sommernachtstraum...
Gibt es ein interkulturelles Zusammenleben?
Ich kenne viele dieser abgenutzten, hilflosen Worte, viele kopflose Beschlüsse zur Einwanderung und Abschiebung, vieles, was die unterschiedlichsten Interessengruppen zu unterschiedlichen Zwecken entweder multikulti oder interkulti genannt haben - aber bei genauerer Betrachtung fallen fast alle Vorhaben in sich
zuusammen, weil sie leer sind, ohne Sinn und, was noch viel schlimmer ist, sogar an die Schmerzgrenze geht, weil das Gemeinsame nicht wirklich ernst gemeint ist.
Ich will weder ein interkulturelles noch ein multikulturelles Zusammenleben.
Ich will ein kultiviertes Zusammenleben. Ein wissendes Miteinander.
Dazu gehört aber auch, daß der Dazugekommene von sich erzählt, sich zeigt, sich
angagiert, eigene Angebote macht für eine neue Gemeinsamkeit, und die Gleichgesinnten und Gleichgestellten sollten zuhören und ihre ethnische TÜV Mentalität überprüfen, die juristschen Umleitungsschilder verschrotten.
Ich wünsche mir ein Zusammenleben in RESPEKT vor den Besonderheiten jedes einzelnen Menschen.
Ich will keinen Untereinander-Dialog, sondern ein Füreinander-Dasein, als Verbündete mit gleichem Recht und Ansehen.
RESPEKT voreinander als eine Altagskultur - als eine selbstverständliche Regel, nicht als eine geschminkte Ausnahme.
Diese wunschhafte These RESPEKT voreinander statt Rückzug von einander impliziert die Hoffnung auf einen neuen Sommernachtstraum im neuen Jahrtausend.
Ich will damit nicht sagen, daß es gar keinen RESPEKT voreinander gibt, auch nicht, daß alle auf dem Rückzug sind.
Aber meine Beobachtungen der letzten Jahre sind, daß durch die Straßen, Büros, Schulen und Wohnungen ein konspiratives Klima schleicht.
Fast alle meine Gespräche mit den unterschiedlichsten Türkei-stämmigen Menschen blenden sich allesamt melancholisch aus:
'Ich werde hier bleiben, hier sterben, aber ich bin nicht gewollt.'
Betin Günes, der Leiter der Kölner Philharmonie, sagte kürzlich bei einer Gesprächsrunde: "Wenn es Arbeitslose gibt, gibt es Ausländer."
So einfach ist das und doch so unbegreiflich.
Ich habe mich immer als Cosmopolitin gesehen, weil mir 'Türkin' immer zu wenig war und 'Deutsche' schien mir - bis zum heutigen Tag - zu eindimensional.
Erst die deutschen Medien machten aus mir eine 'Türkin', hackten mir 35 Jahre deutsches Leben ab, schrumpften mich auf sieben Jahre türkisches Kinderlächeln.
Ich spielte Shakespeare, Schiller, Brecht und Wedekind aber ich wurde als 'die türkische Schauspielerin' vorgestellt. Habe ich geschrieben, war 'ich die türkische Autorin', obwohl meine Themen weder durch irgendeine Nationalität codiert noch eingezäunt waren.
Vielleicht haben die drei Bücher, ein Dutzend Artikel, mehrere Dutzend Rollen noch nicht genug erzählt von meinem Traum.
Ich will ihn noch einmal beschreiben:
Ich habe schon immer das Wort RESPEKT geliebt, weil es bis in die Seele des Menschen reicht und nicht wie Toleranz an der Außenhaut
hängenbleibt.
RESPEKT ist die Fähigkeit, den anderen so zu sehen wie er ist und nicht wie er sein sollte.
RESPEKT bedeutet eine Ästhetik der Verantwortung, statt der restlos verblödeten Sündenbocktheorie.
RESPEKT bedeutet vor allem eines: vom anderen zu wissen!
Ich freue mich auf unsere gemeinsame Zeit, und bin neugierig, was sie uns bringen wird und komme zum Schluß mit der Königin der Elfen aus dem Sommernachtstraum:
Wirbelt mir mit zarter Kunst
Eine Note auf jedes Wort;
Hand in Hand, mit Feengunst,
Singt und segnet diesen Ort!
Renan Demirkan am 15.5.98
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