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GEBT DEN KINDERN EINE CHANCE
für "Brot für die Welt" am 25. 11.98 in Stuttgart

Guten Tag meine Damen und Herren und herzlichen Dank für die Einladung.

Vorab möchte ich Sie beglückwünschen, natürlich zu dem 40. Geburtstag, der ein ganz besonderer Geburtstag ist. 
Man weiß einerseits, daß nun die zweite Lebenshälfte bevorsteht und fühlt sich aber noch zu jung, um übers Altern nachzudenken, über die Konsequenzen, die man ja schließlich irgendwann einmal ziehen muß, ganz für sich selbst, mit dem eigenen Spiegelbild: wie habe ich gelebt, was habe ich getan, hatte mein Leben einen Sinn, nicht nur für mich, sondern - und dies ganz besonders - für einen Anderen?

"Brot für die Welt" kann sich diese Frage schon heute mit einem ruhigen Gewissen mit 'Ja' beantworten, zwar mit tränenden Augen, weil das Elend leider nicht kleiner geworden ist, aber doch mit einem gutem Gewissen, dem weltweit wachsenden Elend nicht tatenlos zugeschaut zu haben. Vierzig Jahre und schon so weise! 

Dafür möchte ich Ihnen danken. Ich als Privatpersn möchte der Institution danken dafür, daß sie die fernen Verwandten in aller Welt nicht vergißt, mehr noch, daß sie sich dafür verantwortlich fühlt.

Das ist ein Globalismus, den ich mir wünsche: eine gesitige Vernetzung des Miteinander- FÜHLENS, das heißt: eine weltweite Verantwortungskultur zwischen Orient und Okzident,zwischen Nordpol und Südpol, eine Vernetzung zwischen den Kirchen, Tempeln, Moscheen und Synagogen der Welt, denn die Götter heben nur unterschiedliche Namen für die immer selben Fragen seit Ewigkeiten: Warum leben wir und was ist der Sinn dieses Lebens?
Und jede der Religionen antwortet fast mit den selben Worten.
Sie fordern die Hingabe an das Wunder Leben und den Respekt vor diesem Wunder Leben. 
Und sie nennen dieses Wunder Gott und damit bin ich auch einverstanden, aber ich bin nicht mehr damit einverstanden, wenn vor lauter Wunderanbeterei das Leben selbst sich hinten anstellen muß. 
Zu allererst zählt das LEBEN selbst, die WÜRDE jedes einzelnen Menschen, seine BESONDERHEIT.

Meine wunderbare Großmutter hat, ohne es zu ahnen und sicher auch ohne es zu wollen, mir mein ganz eigenes Götterbild erklärt. Sie, als tiefgläubige Moslem, gleichzeitig die Ehefrau eines Haci, eines gepilgerten Moslem, also eine Frau , die nach dem heiligen Buch, dem Koran, lebte, erklärte mir einmal: wenn du etwas erreichen mußt, was ganz weit oben liegt, und es ist so wichtig für dich, daß dein Leben davon abhängt, dann darfst du in diesem Notfall auf den Koran steigen, um es zu erreichen, aber niemals, höre: niemals! auf ein Laib Brot, denn das ist das aller - heiligste!

Damals schon war mir klar,und heute ist es mir ganz gewiß, daß in einem Laib Brot viel mehr Gott drin sein muß als in allen heiligen Gottes-Büchern der Welt.
Da ist ein ganz konkreter Gott drin, der satt macht und Kraft gibt zum Leben überhaupt: zum Weiter - Leben, zum Über- Leben.
Und Brot kann nie von einem allein erschaffen werden. Brot ist das Gesamtkunstwerk von Mensch und Natur, von Sonne, Wind, Wasser und Erde, von Menschenkraft und seinem Erfindungsgeist, von Salz und Feuer. 
Brot ist ein gebändigtes Wunder, ein kultivierter Gott.
Sie erahnen sicher, warum es mir eine ganz besondere Freude ist, hier bei Ihnen sein zu dürfen.
"Brot für die Welt" bedeutet für mich "Leben für die Welt"!
Eine Chance für Große und Kleine, für Alte und Junge, für Frauen und Männer, für Katholiken und Protestanten, für Sunniten, Schiiten und Aleviten, für Juden und für Buddhisten, für schwarze und weiße Menschen.
Und ich weiß, daß "Brot für die Welt" dies genauso sieht - man kann es in den Sammelmappen nachlesen.

"Gebt den Kindern eine Chance" - wer würde da nein sagen? Niemand!
Kein Einziger, der die Gesichter von misbrauchten Kindern in den Bordellen sieht, die aufgerissenen Hände von Zehnjährigen Steineklopfern, Teppichknüpfern, Fußballnähern, Schuhputzern, Niemand, der die Müllkinder von Rio gesehen hat oder die abgemagerten somalischen Kinderleichen, oder die weinenden Kriegswaisen im Kosovo, in Bosnien oder in Kurdistan. Niemand auf der Welt würde den Kindern ihr RECHT auf ihr Leben verweigern und trotzdem wird es tagtäglich und zu jeder Stunde überall auf der Welt getan. Von Erwachsenen!

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