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(Fortsetzung)

Migration - das unbekannte Leben

Europe: Le Développement par la Miigration et L’Intégration
Jeudi 10 Mai 2007, de 9H30 à 17H30 – Siège de L’UNESCO :125, Avenue de Suffren, 75007 Paris *

Ich kann es nicht verstehen – warum die Migration derart negativ interpretiert wird – derart bedrohlich verstanden wird – dass das Neue immer wieder unter das Alte subsumiert werden soll und muss.

Als könnten sich Menschen und Kulturen auflösen wie Nescafé. Zugewanderte sind die Addition zum Bestehenden – sie zerreissen nicht –sie vergrößern - wie die Jahresringe den Baum – also müsste man fragen: seid ihr angekommen oder nicht? Und das Ankommen meint das Anwachsen - das Bleiben – das Bleiben bis über den Tod hinaus.

Meine Mutter – Gott hab sie selig - z.B. ist nie in Deutschland angekommen – weil sie eigentlich nie bleiben wollte – schon gar nicht über ihre Zeit hinaus. Sie wollte immer zurück in ihr unvergessbares Zuhause im Dorf Köprübaschi.

Aber ich antworte auf die Frage bereits ganz anders: Ja ich binangekommen und angewachsen in Deutschland – es ist mein Land – meine Sprache –und ich will und werde bleiben – auch über meine Zeit hinaus. Denn die Türkin Renan ist immer ein 7 jähriges unselbstständiges Kind geblieben – aber die deutsche Renan ist durch die Jahrzehnte eine selbstständige Frau geworden - die existenziell verwachsen ist mit dem geistig-kulturellen Leben in deutscher Sprache.

Meine Tochter (eine österreichisch – türkische Mischung - der diese Problemstellung bereits völligfremd ist!) ist in Köln geboren – meine Bücher habe ich in Deutsch geschrieben – meinen Beruf kann ich am besten in Deutsch ausüben – ich bin zuhause bei Goethe und Brecht – bei Adorno, Fromm und Benjamin.

Von meinem Vater und meiner Schwester werden sie sicher ganz andere Antworten hören – aber auch sie werden das Wesentliche ihres Leben in zwei Kulturen mit ihrer Doppelidentität begründen. Daran zeigt sich sehr deutlich – dass es dem Migranten selbst nie um die Integration in die Mehrheitsgesellschaft geht – sondern immer nur um die Verknüpfung der Identitäten von gestern und jetzt – was irgendwann - in einem ganz natürlichen Prozess so sehr verflochten ist mit dem neuen Zuhause – dasser bleiben muss.

Es zeigt aber auch - dass die Mehrheitsgesellschaft auch nur ihre eigene Identität meint – wenn sie von Integration spricht.

Da sie sich selbst nicht positiv formulieren kann (zumindest in Deutschland) – muß sie sich abgrenzen um sich zu deffinieren. Statt offen mit dem Neuen umzugehen: willkommen bei uns – denn wir sind neugierig – was du mitbringst und was wir von dir lernen können! – reagiert sie völlig übereilt und ängstlich mit dem Kontrollinstrument der Integration – um die neu Dazugekommenen am liebsten gleich unsichtbar zu machen. Dabei könnte sie sich gelassen zurücklehnen und den assimilatorischen Prozess vorbereiten - mit einem vernünftigen EINWANDERUNGSGESETZ.

Denn Migranten – die bleiben – sind Eingewanderte und werden ein genuiner Teil der zukünftigen Mehrheitsgesellschaft. Wir wissen nicht mit letzter Sicherheit – warum die so genannten großen Kulturen wirklich zugrunde gegangen sind – ob durch Größenwahn – hermetische Leitkultur oder hemmungslose Dekadenz – aber wir wissen aus der jüngsten Geschichte – wohin Größenwahn – Leitkultur und Dekadenz geführt haben – zu millionenfachem Leid von Kindern - Frauen und Männern und der Zerstörung der schönsten Städte Europas. Frankreich hatte Glück mit seinem Widerstand – Paris ist der Nachwelt erhalten geblieben –aber Deutschland ist für immer gezeichnet. Weil es auf eine perverse Art REIN bleiben wollte – rein arisch – in Gesinnung und Gestalt sollte es eine Insel der Gleichen werden – eine Anstalt von kontrollierten Systemkonformisten.

Ich gestehe – als ich vor zwei Tagen hörte – dass sich die CDU in ihrem neuen Programmpapier immer noch zu der längst überholten Integrationspolitik und explizit zu einer ‚christlich-deutschen Leitkultur’ bekennt – war ich sprachlos! Ich bin der festen Überzeugung – dass es in Zukunft keine Alternative zur weltweiten Migrationbewegung geben wird – die Globalisierung hat es ja selbst evoziert – die Menschen werden der Arbeit hinterher ziehen. Das bedeutet – dass wir dringend eine vernünftige Migrationspolitik brauchen!

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