Biographie
Kalender
Kontakt
Alles andere
Gute Sätze
Home





Theater Film Bücher

(Fortsetzung)
RESPEKT    
das Exposé 

Und in mir war etwas Neues ganz von selbst zusammengewachsen, mein ganz eigener 'Götterbund'. 1990 schrieb ich in meinem Roman "Schwarzer Tee mit drei Stück Zucker":
"...die Götter werden sich einigen und die Friedenspfeife rauchen,... dann werden wir mit dem christlichen Tatendrang
aufstehen, in moslemisch gelassener Art, die klugen jüdischen Weisheiten leben und mit der Hoffnung auf Wiedergeburt in Buddhas Schoß einschlafen..."

Darauf schenkte mir eine Freundin das Buch "Der Prophet" von Khalil Gibran. Und ich las Sätze wie:
"...Wer kann seine Stunden vor sich ausbreiten und sagen, dies für Gott und dies für meine Seele und dies für meinen Körper?..."
Und: "...Wenn die Andacht ein Fenster ist, das man öffnet und schließt, der hat noch nicht das Haus seiner Seele besucht... Euer tägliches Leben ist euer Tempel und eure Religion. Wann immer ihr ihn betretet, nehmt alles mit, was ihr habt..." 
Und: "...Wer seine Sittlichkeit als sein bestes Gewand trägt, wäre besser nackt..." (aus Von der Religion)
Und in "Von der Liebe" las ich:
"...Laßt Raum zwischen einander ... Liebt einander, aber macht die Liebe nicht zur Fessel ... Steht zusammen, aber nicht zu nah, denn die Säulen des Tempels stehen für sich und die Eiche und die Zypresse wachsen nicht im Schatten der anderen..."

Das hatte ein Mensch geschrieben, der seinen Gott auch in Arabisch kennengelernt hatte, aber den mit dem Kreuz. Dem hatte man aus einem anderen Buch vorgelesen.
Und er wehrte sich sein Leben lang gegen die Engheit und die Engstirnigkeit des e i n e n Buches, er wehrte sich gegen die Begrenzung des freien Geistes durch jedwede Religion.

"Religion, was ist das? Ich kenne nur das Leben. Leben ist das Feld, der Weinberg und der Webstuhl ... Die Kirche ist in dir. Du bist dein eigener Priester. Es zählt nur ein freier Geist. Und dies kann so zahlreiche Bedeutungen tragen, wie es Menschen auf Erden gibt..."
Und: "...Die Sünde existiert nicht, außer wir haben sie erschaffen..."
Sein Gedicht "Rebellische Geister" wurde von Priestern auf dem Marktplatz von Beirut verbrannt, und er wurde in seiner Abwesenheit von der katholischen Kirche exkommuniziert und des Landes verwiesen.
Dabei war er ein zutiefst überzeugter Humanist und Philosoph: "Ist nicht jede Betrachtung Religion? Wer kann seinen Glauben von seinen Taten trennen oder...von seinen Tätigkeiten?"

Und darin sehe ich das V e r b i n d e n d e - egal, ob auf Arabisch, Hebräisch oder auf Deutsch: Nicht das geschriebene Wort der Religionen ist das Göttliche Prinzip, sondern das gelebte Wort des Lebens selbst!

Das Leben selbst ist das Ritual. 

Wir sind zwar Milliarden verschiedener Menschen, unser Alltag ist sich aber überall ziemlich ähnlich: wir alle lieben, kennen Glück und Trauer, kriegen Kinder, wir sind gut und böse, müssen arbeiten, müssen geben, essen und trinken, bauen Häuser, kaufen und verkaufen, gehen zur Schule, wir werden krank, schließen Freundschaften, heiraten, wir reden, wir sterben. Das alles tut jeder Mensch, nur wann und wo und wie unterscheidet uns. 

In vielen Gesprächen entdeckte ich, daß viele Künstlerinnen und Künstler nach ganz ähnlichen verbindenden Gedanken suchten. Und das ist nun daraus geworden:
Die Texte, eines im Libanon geborenen, christlich erzogenen Künstlers, der nach Amerika auswanderte, werden dramatisiert und dargestellt von einer Künstlerin, die in der Türkei geboren ist, seit ihrem 7.Lebensjahr in Deutschland lebt und sowohl moslemisch als auch christlich aufwuchs.

Die Texte werden komponiert und orchestriert von einem deutschen Künstler, der in der katholischen Hochburg des Rheinlandes aufwuchs, und der für seine Hochzeit und die Geburt seines Sohnes Zitate von Gibran wählte.

Die Texte werden ertanzt von einer multi-ethnischen Tanzgruppe.

Und von einem deutschen Künstler der bildenden Künste aus dem Rheinland geformt, der über seine Arbeit sagt: "Es geht um Gesten, die mehr vom Leben als von der Kunst inspiriert sind."

Khalil Gibran hat seine Texte als Sprichworte betrachtet.

Ich würde sagen, es sind spirituelle Sprichworte.

Und es wird ein Abend der spirituellen Sprichworte unserer alltäglichen Rituale sein.

Natürlich gibt es die null-bock- und no-future-Gesellschaft, und die digitalisierten-techno-beziehungen im Cyberspace. Das sind die Ergebnisse der Technisierung, und das ist irreversibel. Auch das ist unser Alltag. Kommnikation über Satellit.
Das sollte aber den Einzelnen nicht davon abhalten, regelmäßig in sein eigenes 'Großes Selbst' zu sehen und in das seiner Kinder, oder auf das 'Große Selbst' des geliebten Menschen oder auf das des Nachbarn neugierig zu sein. Das heißt: Sein eigenes Selbst und das globale Selbst zu pflegen und zu beschützen. 
Dann kann jeder auch weiterhin auf den interaktiven Surfbrettern durch das Internet surfen, ohne vom Cyberspace verschluckt zu werden.

Meine Absicht ist es, diese Sprichworte zu verbinden mit:

WORT - MUSIK - TANZ und BILD, 

im WINTER im WESTEN in KÖLN
im FRÜHJAHR im OSTEN in DRESDEN
im SOMMER im NORDEN in HAMBURG
im HERBST im SÜDEN in MÜNCHEN

Es soll ein Abend der v e r b i n d e n d e n Gedanken werden, über alle ethnischen und ethischen, kulturellen und sozialen, künstlerischen und geschlechtlichen Besonderheiten hinaus, aber immer in RESPEKT der Besonderheiten.

Wenn ich es in einem Satz ausdrücken wollte, klänge das so:
Ein multi-medialer Abend einer multi-ethnischen Moralphilosophie. Aber das klänge arg geschwollen.
Ich will lieber mit einem zukunftsweisenden Gedanken schließen, aus "Von den Kindern":

"Eure Kinder sind nicht eure Kinder. Sie sind Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber. Sie kommen durch euch, aber nicht von euch.
...Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen, denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht mal in euren Träumen.
...Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden."
Khalil Gibran

[zurück]