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Über Liebe, Götter und Rasenmähn


Ich kann nicht über die Liebe reden, ohne auch
über die Götter zu reden. Ich sage immer
>Götter<,weil ich irgendwie mit mehreren aufgewachsen bin, und deswegen existiert für
mich das Überirdische nur im Plural. Als eine Art Götter-WG.
Also, die Götter waren jedenfalls meine ersten Lieb-haber. Das heißt, sie waren die Ersten,
deren Namen immer in Verbindung mit >Liebe<
benutzt wurden. Von jedem.

Nun, als ich vor Ewigkeit im Diesseits sichtbar
wurde, haben mir alle Menschen, die auf mich herabblickten, gesagt, dass auch sie mich allesamt sehr lieben würden.
Und gewissermaßen als Beweis ihrer großen Liebe wurde ich ständig geküsst, umarmt, gedrückt, getragen, gefüttert, gewaschen, gekniffen,
herumgereicht und bespuckt, besonders bespuckt, ja sogar sehr oft bespuckt.

Das ist so Brauch im Orient. Je mehr ein Kind geliebt wird, desto nasser wird es.
Dieses Spucken hat etwa dieselbe Bedeutung wie das abendländische Toi, toi, toi! Nur dass es
eben Tüh, tüh, tüh! ausgesprochen wird.

Sie liebten mich wirklich sehr. Besonders die eine Tante, die mich ständig auf die Augen küsste und sagte:
»Allah, Allah, hat das Kind schöne Augen!«
Und dann spuckte sie immer gleich hinterher, tüh, tüh, tüh! -
»damit sich da kein Neid draufsetzt«, sagte sie.
Aus Liebe zu mir oder auch nur zu meinen Augen spuckte sie mir immer übers ganze Gesicht und wischte gleich mit ihren zitronenparfümierten
Händen hinterher. Es stank und es klebte.
Ich erinnere mich noch sehr genau, dass mir diese Art von Liebe überhaupt nicht gefiel.

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Allitera Verlag
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ISBN 3-8330-8008-6

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