Liebe Gäste
danke - dass sie mich wieder mal besuchen
und vielleicht mögen sie ja auch in eine der sehr unterschiedlichen drei inszenierungen in meinem 30. berufsjahr reinschauen
ja - ich kann es selbst kaum glauben - aber es sind wirklich 30 jahre her - dass ich im sommer 1980 in gorkis wassa celesnova - als deren jüngere tochter ljudmilla - meinen ersten vertrag als schauspielerin im nürnberger schauspielhaus angetreten bin
und es hat fast etwas kindisches - wie sehr ich mich selbst über diese zahl 30 freue - denn sie bezeugt die längste beziehung - die ich je freiwillig eingegangen bin!
obwohl ich meinem erlernten beruf oft untreu war mit anderen interessen und mich ihm sogar richtig entzogen habe - durch meine andere große lebens- und liebesbeziehung als mutter einer tochter
aber ich bin immer wieder zurückgekommen und bin stolz auf mich - dass ich all das unwägbare - unverbindliche - berechnende - oberflächliche und vergängliche dieses trügerischen schauspielerberufs - 30 jahre lang ausgehalten habe
und dass ich trotz aller ablehnung - die ich als neugierige - renitente und unruhige grenzgängerin - leider auch erfahren mußte - nie aufgehört habe - immer wieder neu anzufangen!
es gibt nämlich kaum etwas beziehungsfreundliches in diesem beruf - im gegenteil: er verlangt offen und ehrlich zu sein - aber sein system ist verschlossen wie ein tresor
er verlangt hingabe bis zum äußersten - doch die - die das verlangen - verhalten sich selbst unterkühlt und spekulativ
er verlangt eine standfeste persönlichkeit - ist aber selbst auf sand gebaut
und dennoch bin ich 30 jahre dabei geblieben
warum?
weil ich nicht anders kann!
ich liebe es in den inszenierten räumen und welten zu sein - zwischen kulissen und erfundenen geschichten - darin zu denken und zu leben - es klingt sicher seltsam - aber genau dort fühle ich mich zuhause und sicher aufgehoben
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denn die bühne ist für mich der einzige angstfreie raum - ein freier kosmos außerhalb der wirklichen wirklichkeit - die mich mit all ihren zwängen und nöten oft erstickt
aber auf der bühne - in der inszenierten wirklichkeit - gibt es glücklicherweise keine endlichkeit - keinen dauerhaften schmerz und keine bürokratische verpflichtung
auf der bühne gibt es nichts schlimmes was bleibt! aber es gibt auch nichts gutes - das bleibt! auf der bühne bleibt nichts!
das tut manchmal weh - nein - um ganz ehrlich zu sein - das ist das einzige - was mit den jahren immer mehr wehtut weil es eben auch gut tut zu bleiben - weil die seele auch kontinuität braucht
jedenfalls spüre ich in den letzten jahren ein wachsendes bedürfnis nach dem bleiben und nach so etwas wie kontinuität
aber trotzdem ist mir dieser schmerz des vorrübergehenden meiner inszenierten wirlichkeit lieber - als alles bleibende der wirklichen wirklichkeit und so paradox es klingen mag - der schmerz läßt mir auch meine freiheit
vielleicht wird es jetzt besser verständlich - warum ich 30 jahre in diesem beruf bleiben konnte - ja vielleicht sogar mußte denn obwohl mir liebe - glück und kontinuität unsagbar wichtig sind für mein überleben - so war mein lebenswort seit frühester kindheit - und so bleibt es wohl auch in den nächsten 30 jahre: freiheit mein mentaler autopilot
jedoch hat das nichts mit kitschiker künstleromantik zu tun - ganz im gegenteil: freiheit muß man aushalten können - gegen alle widerstände und zwänge von außen - weil man in erster linie sich selbst aushalten muß!
vielleicht hatte ich deshalb nie das gefühl - als wäre ich berufen zu diesem leben - als riefe da jemand: komm wir haben auf dich gewartet.
sondern ich hatte mehr das gefühl einer bekenntnis - als gäbe es da ein drängen in mir: geh! mach! du mußt da durch
leider entsteht dadurch aber auch keine routine bei all meinem tun - was die arbeit enorm erleichtern würde!
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vor etwa 10 jahren - als ich wieder mal am zweifeln war - ob ich weitermachen will und kann - habe ich das folgende gedicht geschrieben - das eigentlich alles erklärt
Manifest vom 6.4.
Ich bekenne
Ich bekenne:
Ich liebe die Poesie
Ja!
In guten wie in schlechten Tagen
Bis hinein in die andere Zeit
Bin ausdauernd
Wie ein Mauersegler
Unbeirrbar
Den Himmel vor Augen
Ja!
Denn ich glaube an sie:
An die Schriften
Der Dichter und
Philosophen
Bin eine Widerspenstige
Und entschlossen
Bin ziemlich zäh
Und gierig auf alles
Was uns vermehrt:
Der Dichtung Geist
Und
Der Geschichten Melodie
Bleibe hartnäckig
Eine Trotzige
Und fest überzeugt:
Dass nur sie
Uns erlösen wird!
Alle Liebe wär'doch leer
Ohne die Legende vom Happy end
Aller Glaube
Nichts
Ohne die Erfindung von Gott
Stumm jede Idee
Ohne die Stimme der Literatur
Kümmerlich
Wär' der Alltag
Nur beschränktes Tun
Sich beugen der Praxis
Wie ein Chamäleon
Dem Machbaren folgen
Wie ein Opferlamm:
Dressierter Dauerlauf
Hinter Animateuren
Platt, roh und blind
Wär' alles nur
Eine Brut von Jasagern
Ohne Fragen
Und Eigenschaften
Überflüssig wie Staub
Ohne Sinn
Und Besonderheit
Wär' da nicht
Die Urwelt
Alles Möglichen
Das innere Auge
Der Phantasie
Die freie Sicht
Ins Unwegsame
Durchs Gestrüpp
Der Hieroglyphen
Wäre da nicht
Das Licht der Poesie
Erst die Magie
Ihrer Hinterwelten
Ihr Doppelblick
Aus hier und dort
Versöhnt das Gestern
Mit dem Heute
Die Träume
Mit der Notwendigkeit
Sie ist die Straße ins Grenzenlose
Planet aller Kopfgeburten
Öffnet Fenster ins Unsichtbare
Gibt Asyl jedem Suchenden
Sie ist der Schlüssel
In mein Zuhause
Zwischen Schädeldecke
Fleisch und Haut
Sie ist mir Liebster
Lehrer
Bodyguard und Gouvernante
Arzt und Therapeut
Sie hält mich im Dunkeln
Führt mich bei Trauer
kennt meine Kraft
und mein Versagen
Weiß wie Frieden
Machbar wäre
Und dass Hunger
Vermeidbar ist
Mit lyrischer Hellsicht
Und weisen Dramen
Beschützt sie
Vor Verfall
Und Depression
Ich bekenne
Ich bin ihr treu ergeben
Leidenschaftlich sogar
Mit ganzer Seele
Allzeit bereit
Den Bühnengeschöpfen
Mehr
Als ich es jemals war
Irgendeinem
Wirklichen Wesen |
ZWEIFEL (Doubt) von John Patrick Shanley
Ein Stück über Missbrauch in der Kirche
Infos finden Sie unter: www.filmmakers.de, hier können Sie auch ein Demoband bestellen.

Fotos: Sabine Haymann
Pressestimmen:
"Mit der grandiosen Renan Demirkan in der Hauptrolle. Sie spielt ihre Schwester Aloysius mit fundamentalistischer Strenge, hinter der doch ab und zu ein großes Herz spürbar wird." Eßl. Ztg.
"Thrillerhafte Atmosphäre...(...) ...darstellerisch gekonnt." StN
"Die deutsch-türkische Schauspielerin Renan Demirkan als Aloysius hat mehr zu bieten als Meryl Streep. Die vielseitige Künstlerin macht aus dem (...) Stück großes Theater. Die neue Stuttgarter Inszenierung überzeugt in jeder Beziehung." SWR
"Renan Demirkan spielt Schwester Aloysius eindrindlich und auch dann noch glaubwürdig, wenn sie sich der Karikatur nähert." KULTUR
Weitere Touren finden im Frühjahr und im Herbst 2010 statt, die Termine erfragen sie bitte über die das Tourneetheater Landgraf (Kontaktdaten siehe unten).
„Love Letters“

Fotograph Szenenfotos: Wolfgang Weimer
„Septembertee oder das geliehene Leben“
ich bin sehr glücklich über das echo auf mein buch septembertee oder das geliehene leben und möchte allen danken - die mir so wunderbar pesönliche und ausführliche mails geschickt haben - und bitte sie alle gleichzeitig um verständnis - dass ich nicht jede mail beantworten konnte

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